Er wäre am 31. Mai 100 Jahre alt geworden. Deshalb ist er im Frühjahr mit vielen Neuerscheinungen und Wiederauflagen noch einmal gewürdigt worden. So auch mit dem Band „Gedi, Geda, Gedichte“, einer Gedichtsammlung von sieben Dichtern und Dichterinnen, die auf Helgoland in Erinnerung an den großen Meister geschrieben und über Kinderlyrik diskutiert haben.
Nun erscheint zur Frankfurter Buchmesse noch ein weiteres schmales Bändchen beim Verlag Sankt Michaelsbund in München. Zwanzig Dichter und Dichterinnen sowie Fachleute, die sich wissenschaftlich mit Krüss beschäftigt haben, wurden gebeten, zu vorgegebenen Gedichten des Hundertjährigen etwas zu schreiben, zu dichten oder zu zeichnen. Es ist ein überaus vielseitiges Buch geworden und eine kleine Entdeckungsreise zu Versen, die oft nicht so bekannt sind. Mit dabei u. a. Autoren wie Michael Augustin, Michael Hammerschmid, Mona Harry, Heinz Janosch, Susan Kreller, Lena Raubaum, Arne Rautenberg und ich. Die zahlreichen Bilder im Heft zeichnete Stefanie Lunkewitz, aber es gibt auch unveröffentlichte Zeichnungen von Krüss selbst. Unbedingt lesenswert. Das Buch trägt den Titel „Alle einsteigen, bitte. 100 Jahre James Krüss“ und ist ab sofort für 10,00 € in jeder Buchhandlung erhältlich.
Gedicht des Monats Oktober
Akrobat
Ein Rindvieh stand auf einem Bein,
fand Fladen und Gestank nicht fein,
wollt lieber ein Flamingo sein.
Gedicht des Monats September
Aller Anfang
Linker Fuß die rote Socke
rechter Fuß die blaue Socke
oder umgekehrt?
Linker Fuß die Wintersocke
rechter Fuß die Sommersocke
oder andersrum?
Linker Fuß die Schafwollsocke
rechter Fuß ganz ohne Socke
oder noch mal neu?
Linker Fuß die blaue Socke
rechter Fuß die rote Socke
oder umgekehrt?
Linker Fuß die Sommersocke
rechter Fuß die Wintersocke
oder andersrum?
Linker Fuß ganz ohne Socke
rechter Fuß die Schafwollsocke
oder noch mal neu?
Ach was soll’s,
ich hab ja Stiefel an.
Gedicht des Monats August
Die Fische
Wem die Fische abends gerne lauschen?
Großem Meereswellenrauschen,
fernem Himmelsmöwenflattern
und den Winden, die in weißen Segeln knattern,
wenn die Sonne rot den Horizont hinunterrollt
und es donnernd aus den dunklen Wolken grollt
Staunend hören sie dem allen zu,
träumen nachts in ihrer meeresschwarzen Ruh,
dass sie Wolkensonnen gleich,
möwensegelweich,
ganz hoch oben an dem Himmel stehen
und im Wasser stumme Fische schwimmen sehen.
Gedicht des Monats Juli
Sommernacht
Als ich lag im Schlummerschlummer
kam ein fetter Brummerbrummer
machte laut mir Kummerkummer
bis ich müde mich vom Bett erhob
Sagte ich du dummerdummer
dicker fetter Brummerbrummer
machst mir nie mehr Kummerkummer
schlug mit einer Zeitung wild und grob
Doch der fette Brummerbrummer
fiel in keinen Schlummerschlummer
flog im Zimmer rumundrummer
bis ich wütend aus dem Zimmer stob